Yesterday. 1975. 2005.

Es war schon längst vergessen, stammte noch
aus einer Zeit, als auf den Straßen Schlagstock-
orgien eskalierten, und die Musik, die daraus
klang, brach mir das Herz.

Das alte weiße Radio war auf einmal da, und darin lag
ein wunderschönes Band mit Songs vom schwarzen
Vogel und von einem Mädchen, das er gestern
traf, und heute schon ist es Vergangenheit.

Ich hörte mir die Lieder an, der alte Kasten jaulte
fürchterlich, das störte die Erinnerung nicht, ein
bitter-süßer Ton durchzog den Raum.

Ich lächelte, so ist wohl die Erinnerung, sie bricht in uns
die harten Schalen auf und läßt uns einfach traurig
sein, als wäre unsere Gegenwart nur die Kopie
der schönen frühen Zeit.

Es ist der Anfangssong, er wird mir unvergeßlich sein.
Ich denke dann an dich. War unsere Liebe
auch ein leichtes Spiel?

Yesterday! Und heute, ist es immer noch so wie
es gestern war? Was bleibt uns schon! Ein Stück
Geborgenheit. Die Flügel sind geheilt. Der schwarze
Vogel sehnt sich nach dem Nest.


   

Aus: LENA und das Paradies

 
Aus gegebenem Anlaß
 
Zum Abtransport bereit – Menschen in Vieh-Waggons.
In Boryslaw. Im Osten. Ein hochgewachsener Mann
im Anzug mit Krawatte erscheint, und fordert,
daß seine Juden ausgeladen werden. 19/42.

Und die SS–Soldaten schimpfen – und drohen
Berthold Beitz. Das war der Mann, noch unter dreißig,
Direktor eines Öl–Geschäftes, der sich nicht drohen ließ.

Die Nazis brauchten dieses Öl, und ließen sich auf
seine Wünsche ein, die lebensrettend war‘n.

Gerettet war auch Jurek Rotenberg, vierzehn Jahre alt.
Und beide Männer sahen sich, nach mehr als
siebzig Jahren, in Essen wieder.

Und niemand hat in unserem Land gewußt, daß dieser
große Mann der Industrie ein Held, ein Lebensretter
war, der einem grausamen Regime die Stirne bot.

Nur Jurek Rotenberg hat überlebt; ein Israeli,
mit deutschem Zungenschlag, der seine alte Sprache
nicht vergessen kann.

Und auch nicht, wer sein Lebensretter war, ein Deutscher:
Berthold Beitz, den die Geretteten als Held verehrten; hat er
doch einem grausamen Regime die Stirn geboten zu einer Zeit,
als es in solcher Lage nicht üblich, aber hoch gefährlich war,
als Deutscher auch ein guter Mensch zu sein.
Erinnerung an einen Helden

Im Juni 2015 sprach Norbert Lammert
vor der KNESSET in Jerusalem, bezeichnete
die Freundschaft zwischen Israel und
Deutschland als ein Wunder der Geschichte.

Und sagte, daß die Deutschen dankbar sind
für unsere Freundschaft und stolz auf unsere
Partnerschaft mit Israel.

DIE WUNDEN SIND GEHEILT - DIE SEELE
TRAUERT NOCH - DAS LEID WAR GROSS, DIE
SCHULD DER EIGENEN LEUTE GRENZENLOS -
WIR HABEN UNS GESTELLT DER PFLICHT, ZU
SAGEN, WAS ZU SAGEN IST - UND OFFEN ZU-
GEGEBEN, WAS GESCHAH, UND NIEMALS
MEHR GESCHEHEN DARF -

Wie nah Jerusalem doch bei uns liegt, und
eine Bastion mit demokratischem Charakter
ist; und auch bedroht wird von so vielen Seiten,
und jeder glücklich überstandene Tag wie ein
Geschenk empfunden wird, und uns daran erinnert,
wie kostbar unser Leben ist – in Israel und anderswo.
Das zu erleben, erfüllt uns eine Reise nach Jerusalem.
Eine Reise nach Jerusalem
 

Aus: Eine Nation ist kein Garten Eden

 

Leser's Wiederholungswunsch

 
Sieben Fragen

Auch wenn wir mitten im Leben stehen,
einige Dinge bleiben uns nach wie vor verborgen.

Wie können wir das gute Gewissen unseres
Nachbarn durchschauen.

Wer kann uns sagen, welche Macht die Humanität
auf Dauer auf uns ausüben wird.

Sollen wir die Vernunft walten lassen
und den Gewinnmaximierungsprozeß,
auf allen Ebenen unseres Zusammenlebens,
um eine kurze Verschnaufpause bitten.

Warum überlassen wir die Familienpolitik jenen
Leuten, die nicht verstehen können,
worauf es bei der Familienpolitik ankommt.

Sind unsere Führungspositionen auch von
führungsbewußten Personen besetzt, die keine
Rücksicht auf ihre Führungsqualität nehmen.

Brauchen wir einen neuen Luther, um den
alten Begriff des Glaubens in ein neues
Licht rücken zu können.

Wie viele Thesen müssen noch angeschlagen werden,
damit wir erkennen, was unsere Sache ist –
ohne jene Vorteile auszunutzen,
die uns so maßlos durch das Leben treiben?
Aus: Späte Visionen - 2019/20
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