Die erste kühle Brise der Begierde -

von der Erregung einmal abgesehen, die
immer auch ein Spiel geheimer Wünsche war -

läßt das Gefühl sekundenlang verstummen,
das kalte Schweigen dauert lange an.

Und wir in unserer Not, das Schönste zu vergessen,
das uns begierig aufnahm
zwischen weichen Schenkeln,
die sanft zur Seite glitten,
wir sahen uns verloren in der Zeit und zählten
uns schon zu den alten Booten, die nach den ersten
Stürmen auseinanderbrechen
und kieloben treiben,
anstatt geschickt durch hohe, aufgewühlte Wellen
ihr Ziel zu suchen, was immer auch ein Abenteuer war.
Ein Abenteuer des Vergnügens,
was sich jetzt fortsetzt, doch auf einer stilleren Bahn.

Vergessen wir die erste kühle Brise der Begierde.
Uns bleibt ja die Erinnerung an eine andere Zeit.

Ein Abenteuer des Vergnügens

   

Aus: Gib acht mein Herz

 
Aus gegebenem Anlaß
 
Zum Abtransport bereit – Menschen in Vieh-Waggons.
In Boryslaw. Im Osten. Ein hochgewachsener Mann
im Anzug mit Krawatte erscheint, und fordert,
daß seine Juden ausgeladen werden. 19/42.

Und die SS–Soldaten schimpfen – und drohen
Berthold Beitz. Das war der Mann, noch unter dreißig,
Direktor eines Öl–Geschäftes, der sich nicht drohen ließ.

Die Nazis brauchten dieses Öl, und ließen sich auf
seine Wünsche ein, die lebensrettend war‘n.

Gerettet war auch Jurek Rotenberg, vierzehn Jahre alt.
Und beide Männer sahen sich, nach mehr als
siebzig Jahren, in Essen wieder.

Und niemand hat in unserem Land gewußt, daß dieser
große Mann der Industrie ein Held, ein Lebensretter
war, der einem grausamen Regime die Stirne bot.

Nur Jurek Rotenberg hat überlebt; ein Israeli,
mit deutschem Zungenschlag, der seine alte Sprache
nicht vergessen kann.

Und auch nicht, wer sein Lebensretter war, ein Deutscher:
Berthold Beitz, den die Geretteten als Held verehrten; hat er
doch einem grausamen Regime die Stirn geboten zu einer Zeit,
als es in solcher Lage nicht üblich, aber hoch gefährlich war,
als Deutscher auch ein guter Mensch zu sein.
Erinnerung an einen Helden

Im Juni 2015 sprach Norbert Lammert
vor der KNESSET in Jerusalem, bezeichnete
die Freundschaft zwischen Israel und
Deutschland als ein Wunder der Geschichte.

Und sagte, daß die Deutschen dankbar sind
für unsere Freundschaft und stolz auf unsere
Partnerschaft mit Israel.

DIE WUNDEN SIND GEHEILT - DIE SEELE
TRAUERT NOCH - DAS LEID WAR GROSS, DIE
SCHULD DER EIGENEN LEUTE GRENZENLOS -
WIR HABEN UNS GESTELLT DER PFLICHT, ZU
SAGEN, WAS ZU SAGEN IST - UND OFFEN ZU-
GEGEBEN, WAS GESCHAH, UND NIEMALS
MEHR GESCHEHEN DARF -

Wie nah Jerusalem doch bei uns liegt, und
eine Bastion mit demokratischem Charakter
ist; und auch bedroht wird von so vielen Seiten,
und jeder glücklich überstandene Tag wie ein
Geschenk empfunden wird, und uns daran erinnert,
wie kostbar unser Leben ist – in Israel und anderswo.
Das zu erleben, erfüllt uns eine Reise nach Jerusalem.
Eine Reise nach Jerusalem
 

Aus: Eine Nation ist kein Garten Eden

 

Leser's Wiederholungswunsch

Wenn es doch Musen sind, die durch ihr Lied
in harmonischem Sang verkünden, was ist ,
was sein wird und was immer war, wie Hesiod sagt,

und deren Stimme sie, nach ungeklärter Art, beliebig
diesem oder jenem leihen, und mancher der
Beglückten nicht begreifen kann, wovon er spricht,

obwohl auch andere meinen, die Musen leihen ihre
Gabe der Wahrheit wegen, was leichter zu durchschauen
ist; dann sollten wir das Vorrecht, zeitlos und in Harmonie

zu sagen, was ist, was sein wird und was immer war,
mit ganzem Herzen nutzen, wird doch, wer unseren
Worten folgt, für einen schönen Augenblick von seiner

Alltagswelt befreit, in Harmonie gefangen sein, wie das schon
immer war. Mit ihr und der Vernunft erklären wir die Welt.
Die Frage sei erlaubt, in wessen Namen reden wir?

Und dürfen wir auch sagen, was den Musen nicht gefällt?  
Erklären wir die Welt 

   

Aus:: Lena und das Paradies (Was das wohl sein mag, was die Dichter sagen)

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