Geh nicht in die Stadt! Laß sie links liegen. Mit jedem Schritt, den du in ihre Richtung tust, wirst du Zeuge einer anderen Tat, entfernst du dich von deinem eigentlichen Ziel. Du wirst nie mehr zu dir zurückfinden. Bleib an deinem sicheren Platz!
Oder liebst du den tausendfältigen Lärm, den eine Stadt wie ein brodelndes Ungeheuer verbreitet? Du wirst dem Moloch Konsum, der glitzernde Kleider trägt, nicht ausweichen können. Er zieht dich in seinen Schlund und spuckt dich nackt wieder aus.
Es lohnt nicht, sich einem falschen Traum hinzugeben. Wenn du erwachst, erwartet dich der alte Lebenskater. Warum willst du deine Augen quälen mit dem Blick auf heruntergekommene Gestalten, die wie Pferde sabbern, das Bier wie Limonade trinken und sich auf Pappe vor Bankpalästen zum Schlafen legen! Du kommst in Versuchung, sie zu bemitleiden. Du wirst an deine christliche Brust pochen und sagen: Es könnte der Messias sein oder einer seiner Jünger, wer weiß!
Oder du begegnest Fritz, dem Indianer, der zahnlos ist und fürchterliche Grimassen ziehen kann, die dich verunsichern, bis du ein Erbarmen zeigst.
Ganz sicher begegnest du einer Gruppe Jugendlicher, die Schlotterbeine haben wie senile Alte, deren Augen in tiefen Höhlen liegen, mit eingefallenen Gesichtern. Du könntest weinen, wenn du ein Schwächling wärst.
Du findest deine Gegner und auch deine Freunde, die Vielzahl läßt dir keine andere Wahl. Du wirst dich an den Charakteren zerreiben, wenn du nachgibst. Ebenbürtige Partner lassen dich vergessen, woher die Träume sind, die dich vorantreiben. Du mußt aufpassen, nicht überrollt zu werden.
Die Stadt hat System, seit altersher. Ein System, das funktioniert, das keine Gnade kennt. Bemüh dich nicht, in das Rad zu greifen, das alles bewegt. Die besten Plätze sind vergeben. Mag sein, daß hier der Sinn unserer Gemeinschaft angesiedelt ist und nur an diesem Platz die schönsten Ideen zum Überleben geboren werden. Wenn du daran glaubst und der Stadt verfallen bist, dann bist du ein Teil des Ganzen. In Ewigkeit, Amen!
Es ist richtig, du kannst in ihr untergehen oder anonym wie ein verborgener Gedanke bleiben.
In einsamen Stunden wirst du wieder auferstehen, wenn du den Kontakt zu ihr suchst, in sie hineingehst, an ihr schnupperst, dich an ihr vergreifst. Sie ist eine vollkommene Dienerin der Liebe, der Abwechslung und der Zerstreuung. Du kannst in ihr stundenlang flanieren.
Du bewegst dich auf einer Route, die irgendwo am Abgrund zwischen den Sternen liegt.
Es kommen Signale an, die du nicht verstehst. Versuch nicht, sie zu dechiffrieren. Sie versprechen nichts Gutes. Es ist noch zuwenig Licht zwischen den Sternen, zuwenig Licht.
Laß deine Stimmung nicht von Fremden beeinflussen. Geh nicht in die Stadt!
Wenn du dich überwinden kannst und die Augen offen hältst, nüchtern bleibst und dazulernen willst, dann zögere nicht, geh in die Stadt! Vor dir wird die Geburt der Menschheit und ihr Tod ausgebreitet.
Aus: Die Schöpfung war ein Irrtum
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