Mozart, Bach, Vivaldi, Beethoven und Chopin –
was für Klänge!
Wo sind die Philosophen, Literaten, Poeten,
die ihnen (zeitlos) gleichkommen!
Und wer verbreitet den größeren Zauber?



Leser's Wiederholungswunsch
 
Als wir vom vierbeinigen zum aufrechten Gang
übergingen, hätten wir ahnen müssen,
daß jetzt eine neue Art der Persönlichkeitsentfaltung
anbrechen würde – mit allen schönen Eigenschaften
der menschlichen Rasse.


Neuer kategorischer Imperativ:
Niemals den Sinn eines Lebenstages
infrage stellen.
Nichts rechtfertigt den Verstoß gegen ein Lebensprinzip,
dem wir nur einmal angehören.
Es sei denn, die Überlebensperspektive
läßt uns keine andere Wahl.



Eine bemerkenswerte Perspektive, die uns
Sallust überliefert: Früher fand der einzelne
Bürger Schutz in der Mehrheit.
Wissen unsere Parteiführer eigentlich, was
sie angerichtet haben? Oder hat unsere Demokratie
die Zeit verschlafen?
 
Aus: Nicht über den eigenen Schatten springen
 
Manche Umstände bleiben unveränderlich
 
Mag sein, daß unser großmütiges demokratisches
Bewußtsein extremen Äußerungen gewisser
politischer Köpfe mit Nachsicht begegnet, ohne
zu bedenken, daß gefährliche populistische
Meinungen der Anfang sein können für eine
Änderung des demokratischen Bewußtseins.

 

Immer öfter erwecken Artikel in Print-Medien
den Eindruck, daß ihre Verfasser eine
investigative Botschaft so geschickt in
einem Wust von Erklärungen verstecken,
daß wir Mühe haben, den wahren
Grund der Geschichte zu erkennen.

Bitte, keinen Versuch starten, die Armen
glücklich zu machen – sie könnten die
neue Lage mißverstehn, und den alten
Zustand als Beleidigung empfinden.

Nur nicht zu viele bezahlbare Wohnungen
bauen – vorstellbar ist, daß es noch Mieter
gibt, die nicht am Hungertuch nagen.

Unvorstellbar tapfer strebt die türkische Seele,
bei allen Widerständen des Glaubens,
nach dem Sinn der Demokratie.

Rhetorische Rohlinge haben keine Ahnung,
wie schwer es ist, in Zeiten der Vernunft
mit diplomatischer Gelassenheit eine falsche Meinung
als wahr zu interpretieren.

 

Aus: Späte Visionen (2019/20) - Autor: Gregori Latsch

Aus niedrigem Anlaß
 
In dem braven Ländle Nordpoteta sagt der Präsident
des Landes, was das Leben ist:

Eine wunderschöne bunte Bombe,
mit Atomen voll bestückt, und
mit Wasserstoff, der göttlich zündet,
und sich danach sehnt, daß
alles brennt und zischt, und in
kleinen, klitzekleinen Teilchen still
verendet... bis die andern eins
geworden sind mit dem Nichts.

Was er noch verspricht? Daß sein Großmut nicht
herausgefordert werden darf. Auch ein Präsident ist
nur ein Mensch, der nicht weiß, was alles noch
geschehen kann.

Leser's Wiederholungswunsch

Liao Yiwu erzählt von seiner Gefängniszeit in China:
Fesseln, Schläge, Elektroschocks, Hitze, Kälte.
Und ich dachte, Laotse wäre bis Peking gekommen.

Aus: Freundliche Attacken
 
Wir dürfen nicht vergessen,
daß auch Kinder Träume haben,
die eine stille Lebenshoffnung sind.

 
Wir haben noch immer nicht begriffen,
daß –, wenn der große Blick für das Ganze fehlt,
und wir unsere kreativen Fähigkeiten auf allen
Sektoren des Lebens in belanglosen
Streitigkeiten verzetteln,
was unsere Menschen demoralisieren und die
Wirtschaftskraft mindern kann –, nach solchen
unwichtigen Handlungen der Unmut
unter den Betroffenen größer und die
Solidarität untereinander schwächer wird. –
Ist das der Anfang zu dem voraussehbaren
Ende der Toleranz unter den von der politischen
Unvernunft gebeutelten Bürgern unseres Landes?
 

„Nun versteh‘ ich den Menschen erst,
da ich fern von ihm und in der Einsamkeit lebe.“
Im Verdunkeltsein der Gedanken wissen,
daß der Bruder Mensch, dessen Spiegelbild wir sind,
immer noch das größte Wunder ist,
erkannte Friedrich Hölderlin am Ende seines Lebens.

 
Aus: Späte Visionen (2019/20)
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