Esprit

Spannung

Unruhe auf dem Forum

Mitbürger, Freunde, Römer, hört mich an! Der Ausschuß für Finanzen hat eine große Zahl von Senatoren vorgeladen, das sind die ersten Männer unseres Staates, vermögend, kriegserfahren und von altem Adel.
Doch sage ich, der Adel stinkt! Was ist geschehen?
Ein Hirte im Barbarenland hat aufgeschrieben und für einen Beutel mit Sesterzen dem Ausschuß dieses Protokoll zu treuen Händen zugespielt. Jetzt wissen wir, warum die reichen Römer immer reicher werden. Sie haben ihre Herden von den Latifundien in Barbarenländer treiben lassen, verkauften selbst die Milch von ihren Ziegen, so daß zuhause ihre Truhen immer voller wurden von dem Geld.
Doch Steuern, liebe Römer, wollten sie nicht zahlen! Ich frage euch, ist das gerecht?
Die Ziegen, Schweine, Rinder sind auf unserer Erde großgeworden, hier fraßen sie das Gras und auch die Kräuter. Die Tiere waren Teile unseres Landes! Wer sie verkauft, zahlt Steuern an den Staat! Und diese Steuern sind auch gut für uns. Die ersten Männer unseres Staates, kriegserfahren und von altem Adel, stört das nicht.
Mitbürger, Freunde, Römer, ich weiß schon jetzt, was jene Herren sagen werden. Sie reden sich heraus! Es ist die alte Leier, wonach der Staat zu viel von dem Erlös kassieren würde, und das gefällt dem Adel nicht. Für sie ist die Gewinnvermehrung nur ein Spiel.
Was haben wir davon?! Wir fordern unseren Teil! Wir sind ein Volk, ein Staat! Auch wenn wir arm und ungebildet sind, der Staat ist unser Schild!
Wer den Gewinn aus solchen Fleisch- und Milchgeschäften nicht versteuern will, ist kriminell! Und Kriminelle dulden wir nicht mehr in unserem Land. Dies ist mein letztes Wort in einer Sache, die das Gemeinschaftswohl zutiefst berührt. Geld ist nicht alles, doch wer es wie die Senatoren im Übermaß besitzt, schließt sich nur ungern unserer Forderung an: Gerechtigkeit und Steuern sind niemals eine Last, sie gelten für uns alle!
Das sage ich: Marcellus Brutus, Vertreter eures Standes. Ave, Caesar! Ave Jupiter! Ave, Liechtenstein!

Wie sechs auszogen, sich zu bereichern

Sie grübelten und planten, verwarfen ihren Plan, erdachten einen neuen. Sie wollten nicht mehr nur Flaschen sammeln, Müllkippen durchwühlen, betteln gehen, alte Kumpel um einen Schluck und eine Zigarette anpumpen.
Sie waren sechs. Eine bunte Gruppe. Karo war der Kleinste. Er besaß ein breites Maul, das er wie ein Gorilla bewegen konnte. Herbert sprach ohne Zähne. Er konnte die tollsten Grimassen ziehen. Martin, der Spieler, träumte von einem großen Einsatz bei der Mutter von Monte Carlo. Pit, der Träumer, verpaßte die Hälfte des Tages, der Fusel war schuld daran.
Rambo, die Nummer eins, besaß als einziger eine Tarnkleidung. Er war fett, trug eine Brille. Selbst im Sommer hatte er sich die Kapuze seines Parkas über den Kopf gezogen.
Erich, der Krüppel, humpelte seit dem letzten Weihnachtsfest. Am zweiten Feiertag hatten ihn Kumpel seiner alten Gruppe eine Treppe runtergeschmissen. Nur so. Wahrscheinlich waren sie sauer gewesen über die geringe Bescherung.
Alles war gut besprochen worden. So gut es ging. Der Spaß stand ihnen ins Gesicht geschrieben. Sie besaßen keine Waffen, waren unfähig, im Befehlston zu sprechen, kannten keine längeren Sätze wie: „Leck mich am Arsch!“ - „Dumme Sau!“ - „Bullenschwein!“ - „Hast’n Kippe?“ - „Gib mir’n Schluck!“
In einer Phalanx, die zum Totlachen komisch aussah, marschierten sie der Bank entgegen. In der Mitte gingen Rambo, Martin und Herbert. Die Flanken sicherten Karo, Pit und Erich.
Die Phalanx bildete einen Keil. In dieser Formation betraten sie den Tempel des Geldes. So wie sie die Bank betraten, hätten sie auch ein Klo aufgesucht oder einen Platz zum Pennen für die Nacht.
Fast geräuschlos hatte sich die Tür geöffnet. Sie befanden sich im Vorraum des monetären Heiligtums. Bei der zweiten Tür wiederholte sich die Prozedur. Endlich atmeten sie die klimatisierte Luft des großen Geldes ein.
Sie verteilten sich wie abgesprochen. Am längsten brauchte Erich, bis er seinen Platz bei den Kassierern erreicht hatte.
Allmählich vermischte sich die klimatisierte Luft des Geldpalastes mit Gerüchen, die aus den Kleidern von sechs neuen Kunden kamen.
Eine junge Dame hinter einem Schalter kicherte. Die Kassierer, aufmerksame Leute, rümpften die Nasen. Einer lächelte. Es geschah nichts. Stille breitete sich aus.
Rambo sicherte den Eingang. Er stand wenige Schritte von der Tür entfernt. Karo, Herbert, Martin, Pit und Erich hatten einen Halbbogen um die Geldschalter gebildet. Furchtlos blickten sie mit schlaffen Augen in die Runde.
Der Bankdirektor erschien, musterte die Gruppe, schüttelte den Kopf. Er griff nach seiner Geldbörse und zog daraus sechs kleine Scheine. Mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen näherte er sich der furchtsamen Bedrohung.
Rambo zog die Kapuze tiefer ins Gesicht. Erich und Pit kratzten sich verlegen den Bart. Karo puhlte in der Nase. Herbert trat unruhig auf der Stelle. Martin, der Spieler, streckte als erster dem Direktor seine Hand entgegen.
Als sie alle bedient worden waren, verließen sie mit schweren Schritten den Ort ihres ersten Überfalls. Erich humpelte als letzter durch die Tür.
Der Direktor sah ihnen lange nach. Einige der Kunden sahen ihnen lange nach. Zwei Kassierer sahen ihnen lange nach. Die sechs erschienen ihnen wie Wesen von einem anderen Stern.
Eine Gruppe von Mädchen tuschelte und flüsterte. „Typen gibt es!“ sagte die eine. - „Hast du den Kleinen mit dem Affengesicht gesehen!“ sagte eine andere. Es gab eine Menge zu lästern.
Rambo wedelte mit dem Schein in der Luft herum. „Das ist der Anfang!“ Und dann beratschlagten sie, wo sie ihren nächsten Coup durchführen wollten.

Aus. Die Schöpfung war ein Irrtum

Wie eine Rezensentin den Buchmarkt sieht.

Wenig ansprechende, austauschbare,
nichtssagende Titel - praktisch überall.
Liebesromane, von denen man sich fragt,
wer das alles lesen soll - und wozu.
Süffig geschriebene Unerheblichkeiten.
Keiner weiß, warum manche Bücher geschrieben
werden mußten oder für wen.
Die Verlage setzen auf Schmöker und Thriller.*
*Zitate aus der FAZ (2011)
Felicitas von Lovenberg.
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