Esprit

Spannung
Was ich Arthur Schopenhauer verdanke

Manche glauben zu wissen, was sie nicht wissen,
und zu denken, was sie nicht denken können.
Es ist auch vorstellbar, daß sie uns verschweigen,
was sie wirklich zu sagen haben. Oder?

*

Bei seinen Versuchen, Worte für Gedanken zu verkaufen,
stolperte er jedesmal über die Leere seines Verstandes.

*

Wenn wir lesen, denkt ein anderer für uns, sagt
Schopenhauer. Und wenn uns der Akt des Lesens zum
Nachdenken zwingt - gewinnen oder verlieren wir?

*

Im Übermaß seiner Gedanken brachte er
es fertig, weiter zu denken, als der Verstand
ihm erlaubte.

*

Am Ende seiner Erkenntnis angelangt, beschlich
ihn der Verdacht, daß alles Denken eitel sei.

* * *

Spillys Wagen parkte an der gleichen Stelle, wo er Bols’ Haus vor dessen Entführung observiert hatte. Es war eine Viertelstunde vor Mitternacht. Brandstedter war von Unruhe gepeinigt; er beschwor sämtliche guten Geister, sich dafür einzusetzen, dem Butler alle Dummheiten auszutreiben.
„Wenn er es dennoch tut, stecken wir im tiefsten Schlamassel unserer Karriere. Wir müssen an Bols’ Haus vorbei. Bei diesen hellen Laternen wird selbst ein Blinder unseren Wagen erkennen.“ Brandstedters brisante Bemerkungen schienen Spilly nicht zu beunruhigen.
Dieser legte das Fernglas, mit dem er die Straße abgesucht hatte, auf die Ablage. „Dann würden wir hier bleiben, so lange, bis sich alles beruhigt hätte.“ Er drehte den Kopf zur Seite und zeigte mit dem Daumen nach hinten. „Wir könnten weiter nach oben ausweichen, und notfalls in die Sträucher hineinfahren.“
Brandstedter zeigte sich damit nicht zufrieden. „Wenn die Kollegen kommen, und das müssen sie, wenn er Bols eine Lektion erteilt hat, werden sie alles im nahen Umfeld, auch unseren Platz, unter die Lupe nehmen.“
„Okay! Was schlägst du vor?“
„Hinter unserem Versteck, unterhalb dieses Grundstücks, liegt eine Seitenstraße. Wir fahren um das Haus von Bols’ Nachbar in diese Straße. Zu unserem Platz ist es nicht weit. Zu Fuß sind wir flexibler. Wenn Not am Mann ist, verschwinden wir nach unten zu dem Wagen.“
Spilly nestelte am Autoschlüssel herum. „Ist die Luft rein?“ Brandstedter suchte die Straße ab. „Ja, du kannst fahren!“ Mit einem schnellen Start fuhr er den Wagen aus dem Versteck.
Es war fünf Minuten vor zwölf.
Nach wenigen Minuten parkte Spilly das Auto an einem sicheren Platz. Sie hatten Glück, das leere, zum Verkauf stehende Grundstück war auch an der unteren Seite nicht eingezäunt. Versehen mit ihren Lampen und Ferngläsern hetzten sie über eine kurz geschnittene Wiese nach oben zu ihrem Versteck, wo sie sich unter den schützenden Sträuchern verbargen.
Aus: Die Schöpfung war ein Irrtum Aus: Bringen Sie mir Richard Bols
Was ich Arthur Schopenhauer verdanke. Der große Denker verdient es, daß wir uns seiner erinnern. Einen humaneren philosophischen Trotzkopf wird es nicht mehr geben. Ihm zu vertrauen ist die leichteste Sache der Welt. Ein Tag ohne ihn ist ein verlorener. Seine Schriften bleiben tiefgründig und belebend.
In seinen Gedanken über Schriftsteller und Stil zitiert er: inventis aliquid addere facile est... dem Gefundenen etwas beizufügen ist leicht. Ja, das trifft auf die Aphorismen wohl zu! Wie schön, daß wir die alten Meister nicht vergessen haben! Zu wünschen ist, daß sich diese Gewohnheit noch lange fortsetzen möge.
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