Reihe: Cimarron libris

Denn die Sorge vor der wachsenden Fremdbestimmung durch diese eine allesbestimmende Spinne im Netz treibt nicht irgendwelche analogen Dinosaurier um, die das Internet nicht verstanden und deshalb Angst vor allem Neuen haben. Es sind vielmehr die Digital Natives, und darunter die jüngsten und bestinformierten, die mit der immer vollständigeren Kontrolle durch Google ein wachsendes Problem haben.


Dazu gehört auch die Fiktion von der Gratis-Kultur. Im Internet, in der schönen bunten Google-Welt, scheint so vieles kostenlos: von Suchdienstleistungen bis zu journalistischen Verlagsangeboten. In Wahrheit zahlen wir mit unserem Verhalten. Mit der Berechenbarkeit und kommerziellen Verwertbarkeit unseres Verhaltens. Wer heute einen Autounfall hatte und das in einer E-Mail schreibt, kann morgen das Angebot eines Herstellers für einen Neuwagen auf sein Handy gesendet bekommen. Schrecklich praktisch.


Wer heute auf Websites über Bluthochdruck surft und über sein Fitnessarmband Jawbone automatisch seine notorische Bewegungsarmut verrät, kann übermorgen eine höhere Gesundheitsversicherungsprämie gewärtigen. Gar nicht praktisch. Nur schrecklich. Es könnte sein, dass es gar nicht mehr so lange dauert, bis immer mehr Menschen erkennen, dass die Währung des eigenen Verhaltens einen hohen Preis fordert: die Freiheit zur Selbstbestimmung. Und es deshalb besser und billiger ist, mit etwas ganz Altmodischem zu zahlen: einfach nur mit Geld.
Google ist die weltmarktbeherrschende Großbank der Verhaltenswährung. Keiner kapitalisiert sein Wissen über uns so erfolgreich wie Google. Das ist eindrucksvoll und gefährlich.

Reihe: Cimarron bibliophil

„Wie sieht es aus, Scott?“ rief Markus ihm zu.
„Nicht gut, Markus, nicht gut!“
„Kommen wir zu spät?“ Markus sah Tränen in Scotts Augen. Er schwieg betroffen.
Scott zeigte zu einem Hügel. „Wir müssen ihn umreiten, von oben können wir sie erkennen.“
Schneller als erwartet, erreichten die Männer ihr Ziel. Scott führte Markus und Longa zu dem Buschwerk, von dem aus sie gefahrlos das Lager überblicken konnten.
„Wieviele sind es?“ wollte Longa wissen.
„Zehn Gruppen á zwölf Mann“, erwiderte Scott. „Und sie sind ohne ihre Wagen da, ihre Waffen kennt ihr ja.“
„Sie haben Bajonette aufgepflanzt“, sagte Markus, während er durchs Glas sah. „Sie sammeln sich, sie sind auf dem Rückmarsch.“
„Sie haben auf uns gewartet“, sagte Scott. „Umsonst...“
„Sind das...“ – Longa zeigte nach unten – „...deine Männer?“
„Ja, das waren sie“, sagte Scott traurig. Er suchte fieberhaft nach einem Weg, sich an den Bios zu rächen. „Wir müssen sie noch einmal umkreisen, dann können wir sie vor der Stadt stellen. Es gibt dort ein Waldstück, das sie durchqueren müssen, wenn sie nach Babel wollen.“
„Worauf warten wir!“ Markus drehte sich um und eilte zu seinem Pferd, aufgeladen mit Zorn. Er stellte sich im Sattel auf und sah trotzig in die Runde. „Es sind einhundertzwanzig Mann, gut motiviert, wenn es darum geht, Schwächere zu töten. Sie haben Gewehre mit Bajonetten, alte Modelle, Infanteristen ohne jeden Schutz! Wir werden sie in einem kleinen Wald erwarten. Ich überlasse euch die Art der Waffen. Gardisten, wir müssen ein Exempel statuieren!“ Er drehte sich Scott zu. „Laß uns reiten!“
Scott setzte sich an die Spitze der Reiter, ihn drängte es nach einem Kampf mit den Bios. Vielleicht würde er danach die schwere Last der Trauer abgeschüttelt haben, die ihn so stark bedrückte.

   
Aus: Lieber Eric Schmidt
Autor: Mathias Döpfner
Aus: SCOTT
Autor: Gregori Latsch

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